06.02.2012 | Politik & Wissenschaften und Technologie
Die Internetrevolution ist dramatisch. Auch aus Historikerperspektive
Der Historiker Paul Nolte ist sich sicher, der digitale Umbruch ist mit der Revolution durch die Erfindung des Buchdrucks vergleichbar. Und die damaligen Konsequenzen für Politik und Gesellschaft waren eklatant. Auch heute werden die Folgen enorm sein, allerdings sind sie noch nicht vollständig sichtbar. Aber die Demokratisierung der Medien scheint unwiderruflich.















Man muss ja heute scharf oder kontrovers formulieren, um in der medialen Unübersichtlichkeit überhaupt wahrgenommen zu werden. Insofern verstehe ich, dass Paul Nolte von Internetrevolution spricht und diese sogleich als dramatisch einstuft. Auf Nachfrage weiß er dann erstaunlicherweise wenig über die Wirkweise zu sagen und gibt selbst zu, dass es darüber noch kaum belastbare Einschätzungen gibt.
Doch ich würde insbesondere mit Blick auf die Demokratie den Ball lieber flach halten wollen, was das Internet und seine Wirkung auf unser politisches System anlangt. Glaube doch keiner, dass mit der Interaktivität des Internets sowie einer zunehmenden Wortmeldung insbesondere durch jüngere Menschen darin unsere politischen Strukturen nennenswert demokratischer würden – anders gewiss, aber nicht demokratischer. Eine Machtelite (evtl. Presseunternehmen) wird durch eine andere (evtl. internationale Webfirmen) ersetzt, und das war´s dann auch.
Umwälzungen wird es geben, da gehe ich mit Nolte konform, doch wer suggerieren möchte, dass nun das Zeitalter der wahren Volksherrschaft anbricht und sich fortab Volkes Wille zunehmend mehr durchsetzt, der streut den Leuten Sand in die Augen. Und im Übrigen unterschätze niemand die Beharrungskräfte des Establishments. Siehe Ägypten und seinen Militärrat!
Sehe das vergleichbar. Das Gerede von der Internetrevolution ist doch so eine Mode wie das Hippietum. Freie Liebe gibt es 40 Jahre später immer noch nicht. Man müsste mal die Lobbymacher direkt befragen. Die lachen sich doch kaputt wenn sie hören das die Menschen Glauben das internet wurde die Kontrolle erhöhen. Wo denn?
Also was LSD schreibt ist Quatsch wenn ich mir überlege was alles schon bewegt wurde. Es ist auch keine Mode wie er so schön Sagt….Es ist mit den richtigen Leuten geht alles..
@clb
LSD irrt vor allem, weil er seine eigenen projektionen mit dem verwechselt, was nun mal _ist_ und passiert. zunächst einmal haben die hippies auf ganzer linie gesiegt – das internet ist ja nicht von einem deutschen bürokraten erfunden worden sondern von LSD-schluckenden hippies, die timothy leary verstanden hatten. langhaarige, kiffende nerds. (radiotipp: Neitzert, Lutz – Die wahren Vaeter des Internet – Hippies im Cyberspace, 2008 … wann öffnet der ÖR endlich seine archive?)
LSD starrt da zu sehr auf das “Love & Peace” und versteht nicht, daß man das heute ganz banal “Share & Like” nennt, das, wie die idee von freier software etc sind hippie-ideen _pur_. das erste soziale netzwerk der welt war “the well”, das netz, in dem sich fans der band grateful dead (_der_ hippie ikone, deren texter john barlow heute präsident der EFF (Electronic Frontier Foundation) ist) organisierten.
der prozess nennt sich “evolution”. die dinge passieren. der rock’n'roll hat (“Hail Hail R’n'R Deliver Us From The Days Of Old”, Chuck Berry) den menschen eine gemeinsame sprache gegeben, das internet gibt ihnen einen marktplatz, ein forum, und sie reden miteinander.
LSD und alle anderen, die nicht verstehen, daß die gegenwart nur ein punkt in der geschichte ist, werden also weiter warten müssen, bis “die hippies” endlich ihr versprechen auf freien sex für alle einlösen – und mit ihnen grummeln, während die evolution an ihnen vorbeizieht und freundlich hupt