Medien müssen dringend in Netztechnologien investieren
Die Diskussion ist kontrovers. Welche Aufgaben haben die öffentlich-rechtlichen Medien im digitalen Raum? Zuletzt offenbarte die Debatte um die Tagesschau-App die Schärfe der Auseinandersetzung. Aber zeigte die zwischenzeitliche Frontstellung zwischen Teilen der öffentlich-rechtlichen Medien und den privatwirtschaftlich agierenden Verlagen eigentlich die wichtigste Demarkationslinie in der Diskussion rund um die Rolle der klassischen Massenmedien im digitalen Raum? Nein, sagt der Unternehmensberater und Blogger Matthias Schwenk. Aus seiner Sicht müssten gerade klassische Medien und insbesondere die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbieter zu Innovatoren in Bereichen des webtechnologisch gestützten Journalismus werden. Sollten sie die gerade entstehenden Chancen nicht nutzen und dieser Aufgabe nicht nachkommen, drohen andere die digitalen Kommunikationsräume zu monopolisieren.
Medien müssen dringend in Netztechnologien investieren von Matthias Schwenk
Sollen Radio-Sender im Internet nur Audiobeiträge veröffentlichen dürfen? Die Frage ist nicht ganz trivial, wie sich dieser Tage an den Arbeiten zu einer „Gemeinsamen Erklärung“ von öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und deutschen Zeitungsverlegern zeigt. Allerdings scheint die dort geführte Diskussion um mediale Gattungen zu verkennen, dass sich mit dem Internet jenseits der dort eingestellten Beiträge, also unabhängig davon ob es sich um Text, Bild, Audio oder Video handelt, eine sehr viel weitergehende Transformation vollzieht. Hierzu äußerte sich unlängst auch Stefan Niggemeier in seinem Artikel „Vorauseilende Selbstverstümmelung“.
Diese nämlich bringt das Publikum auf Augenhöhe mit den Medienhäusern, weil der Netzwerkcharakter des Internets den Medienkonsumenten aus seiner passiven, rein rezeptiven Rolle herausholt und ihm diverse Möglichkeiten an die Hand gibt, selbst als Medium aktiv zu werden. Parallel dazu vollzieht sich ein weiterer Wandel mehr im Stillen: Mit dem Internet wird es möglich, die mediale Partizipation und Rezeption in einer nie dagewesenen Genauigkeit zu messen und wiederum zum Inhalt medialer Angebote zu machen. In diesem Kontext sind auch die Stichworte „Big Data“ und Data-Journalismus zu sehen, die hier ausführlich betrachtet werden.
Medienhäuser und Rundfunkanstalten klassischer Prägung stehen damit vor der Herausforderung, nicht einfach nur ihre Programmschemata ins Internet zu bringen und dabei vielleicht entstehende Gattungskonflikte untereinander auszutragen, sondern vielmehr auch die neue Rolle der Medien-Konsumenten zu berücksichtigen und darüber hinaus von den vielfältigen Möglichkeiten zur Medienanalyse Gebrauch zu machen.
Das Verhalten der Leser als Quelle für neue Inhalte
In diesen Zusammenhang könnten es sich öffentlich-rechtliche Sender zur Aufgabe machen, Social Media daraufhin zu analysieren und zu dokumentieren, welche Themen in welcher Intensität hier öffentlich diskutiert werden. Welche Resonanz löst etwa der Rücktritt eines Bundespräsidenten in Blogs, auf Twitter oder Facebook aus? Welchen Stellenwert haben dazu im Vergleich Ereignisse im Sport oder der Kultur? Was für Themen werden in klassischen Medien ausführlich besprochen, für die sich auf Social Media wenig bis keine Resonanz feststellen lässt?
Bei diesen Fragestellungen mag mancher vielleicht denken, dass damit besser eine Forschungseinrichtung betraut wird. Tatsächlich hat sich mit dem Aufkommen von Social Media der empirischen Sozialforschung ein weites Feld erschlossen. Allerdings sollte dies nicht allein den Forschern überlassen werden. Medienanalyse und -aggregation kann auch ein Aufgabenfeld der öffentlich-rechtlichen Sender werden, wenn diese ihren Auftrag künftig so verstehen, dass sie im digitalen Zeitalter nicht einfach nur Inhalte vermitteln, sondern deren Rezeption sowie die mediale Partizipation der Bürger (und Gebührenzahler) dokumentieren und widerspiegeln wollen. Das wäre ein Beitrag zur medialen Transparenz in einem umfassenden, neu verstanden Sinne und damit auch ein Stück Dokumentation gesellschaftspolitisch medialer Relevanz.
Der Tiefschlaf der Medien
Aus informationstechnischer Sicht ist es erstaunlich, dass sich bislang noch kaum ein Medienhaus oder Rundfunksender intensiv mit den Daten und Informationsströmen im Social Web befasst hat. Aus ihnen ließe sich viel ablesen und transparent machen. Die Zurückhaltung der klassischen Medien dem gegenüber kann vielleicht damit erklärt werden, dass vielfach noch alte Denkstrukturen vorherrschen, wonach man viel zu sehr damit beschäftigt ist, laufend selbst neue mediale Inhalte zu erzeugen. Wer aber nur mit der eigenen Medienproduktion beschäftigt ist, findet gar keine Zeit hinzuhören und zu bemerken, welches Echo ein Beitrag im Social Web heute auslösen kann, sei dies quantitativ oder auch qualitativ betrachtet.
Darüber hinaus könnte vielfach auch das erforderliche technische Wissen fehlen, um derartige Analysen so durchzuführen, dass diese nicht nur den Ansprüchen an Repräsentativität genügen, sondern in ihrer aufbereitenen Form selbst wieder zu attraktiven medialen Inhalten werden können. Diese Schnittstelle zwischen klassischem Journalisums und Informationstechnologie dürfte in Deutschland noch dünn besetzt und der Nachwuchs dafür nicht so einfach von irgendwelchen Hochschulen zu bekommen sein. Hier muss noch Pionierarbeit geleistet werden.
Einen naheliegenden Ansatzpunkt dazu liefern Hashtags auf Twitter, die als dynamische Schlagworte charakterisiert werden können und am vorangestellten „#“ erkennbar sind. Sie machen sichtbar, worüber gerade besonders intensiv diskutiert wird. Was aufschlussreich klingt, ist in der Praxis aber wenig zu gebrauchen, da Twitter selbst die Hashtags praktisch nur als Momentaufnahme anzeigt. Trendanalysen bietet Twitter ebensowenig wie die Möglichkeit, gezielt nach den Hashtags zu bestimmten Zeitpunkten in der Vergangenheit zu suchen. Wäre es da nicht möglich, ein deutschsprachiges Archiv zu diesen Hashtags aufzubauen und öffentlich zugänglich zu machen?
Produzent und Rezipient verschwimmen
Ein anderes Beispiel stellen Aggregatoren wie Rivva (Deutschland) oder TechMeme (USA) dar. An ihnen wird deutlich sichtbar, wie die bisher fein säuberlich getrennten Bereiche der Medienproduktion und -rezeption allmählich immer stärker zusammen rücken. Das Funktionsprinzip dieser Aggregatoren basiert auf der Auswertung von Verlinkungen, wie sie in Blogs, auf Twitter oder in Form von Likes auf Facebook bzw. Google+ vorkommen. Beiträge, die viele solcher Links erhalten, werden von den Aggregatoren dann angezeigt. Der Begriff „Beiträge“ muss hier jedoch weit gefasst werden: Neben Artikeln klassischer Nachrichtenmedien können dies auch YouTube-Videos, Blogartikel oder Textbeiträge auf Google+ sein.
Dass die Verknüpfung von (klassisch) medialen Inhalten mit ihrer Rezeption in sozialen Medien ein Thema mit Zukunft ist, belegt auch die Entwicklung bei Facebook: Interagiert dort ein User mit einer Anwendung, kann seine Interaktion selbst wieder zu einem sozialen Ereignis werden, das in Form einer Statusmeldung im Newsfeed seiner Freunde sichtbar wird. Dass die User damit unfreiwillig und unwissentlich zu Werbeträgern werden können, soll hier nicht diskutiert werden. Entscheidend ist hier nur die Sichtweise der Facebook-Entwickler, für die es die Grenze zwischen medialem Inhalt und einer vormals diskreten Rezeption nicht mehr gibt.
Das Soziale und die Medien
Führt man diesen Gedanken weiter, könnte uns eine Zeit bevorstehen, in der die Menschen solche Formen der Interaktion und Datentransparenz geradezu erwarten. Von Facebook und anderen Social-Media-Angeboten sozialisiert, wollen die modernen Medien-Konsumenten vielleicht schon bald nicht mehr einfach nur „Inhalte“ präsentiert bekommen, sondern dazu auch noch Informationen darüber, wer sonst noch gerade hier liest (oder hört), wer aus dem eigenen Freundeskreis auch schon auf dieser Seite war und wie gut diesen Freunden die dargebotenen Inhalte gefallen haben.
Dabei bezieht sich diese Entwicklung nicht nur auf den Bereich der Nachrichten: Das israelische Startup Serendip hat eine Art „Musikprogramm“ entwickelt, das auf Musikempfehlungen im Social Web (insbesondere Twitter) aufbaut und dem einzelnen Hörer ein individuelles Angebot ganz nach seinem Musikgeschmack bieten möchte. Dabei wird einerseits (auf der Content-Ebene) auf Dienste wie YouTube, Soundcloud oder Bandcamp zurückgegriffen, andererseits (auf der Rezeptions-Ebene) auf die Twitter-Accounts der einzelnen User.
Lineare Radioprogramme oder Contentplattformen?
Speziell dieses Beispiel sollte Radiosendern zu denken geben, die mit ihrem klassisch linearen Programmschema jüngere Hörer vielleicht schon bald nicht mehr erreichen. Wenn der Hörer von morgen ein individuell auf seine Bedürfnisse und Stimmungslage zugeschnittenes Programm haben möchte, warum muss er dann auf die Angebote von Startups zurückgreifen, anstatt sich aus dem enormen Fundus seiner öffentlich-rechtlichen Sender bedienen zu können? Und warum können die Sender nicht auf seine Daten bei Diensten wie Facebook oder Twitter zurückgreifen, um mehr darüber zu erfahren, was ihn als Hörer und Medien-Konsument gerade interessiert?
An dieser Stelle schließt sich der Kreis, denn unabhängig davon, ob man Informationen aus Social Media für ein größeres Gesamtbild analysieren und aufbereiten oder ob man personalisierte Angebote für die Hörer bereitstellen möchte, immer ist zunächst die grundsätzliche Wahrnehmung entscheidend: Social Media ist keine unbedeutende Spielwiese für Internet-User, die dort nur ihre Zeit totschlagen wollen, sondern entwickelt sich immer stärker zum integralen Bestandteil eines umfassenden Mediensystems, in dem Produktion und Rezeption nicht mehr ohne weiteres als getrennte Einheiten gesehen werden können. Vielmehr bedingen sich Produktion und Rezeption zunehmend gegenseitig, weil der Medienkonsument von heute in der Flut von Angeboten immer stärker auf Filter- bzw. Auswahlmechanismen zurückgreift, die in seinem sozial-digitalen Umfeld angesiedelt sind und er dabei selbst zum Filter für andere wird, so dass sich für ihn am Ende eine mehr und mehr personalisierte Medienpartizipation neuen Typs ergibt, die mit dem herkömmlichen Begriff des „Medienkonsums“ nicht mehr zu fassen ist.
Die große Chance
Dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, speziell den Radio-Sendern, sollte diese Situation Anlass geben, mehr zu tun, als sich mit den Kollegen aus Zeitungsverlagen darüber zu unterhalten, wer mehr Audio- und wer mehr Textbeiträge ins Netz stellen darf. Im Kern geht so etwas völlig an der Realität vorbei, weil es verkennt, welche Chancen und Perspektiven sich auftun, wenn das Internet in seiner ganzen Vielfalt jenseits traditioneller Mediencharakteristika wahrgenommen wird. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat im Grunde eine ausgesprochen interessante Zukunft vor sich, er muss nur seine Chancen erkennen und sie auch nutzen.
Matthias Schwenk, Unternehmensberater, schreibt unter anderem auf Carta und bwlzweinull.de.















Tolle Analyse – Danke. Verdeutlicht, wie zukunftslos es ist, dass in Österreich der ORF per Gesetz nicht in sozialen Netzwerken präsent sein darf.
Ich zahle seit Jahren keine GEZ mehr, das ist auch in jeder Hinsicht gerechtfertigt. Keine Schnittstellen, Depublikationsmassnahmen, Katastrophenarchive in denen alles verschwindet undes niemand wiederfindet. Der Tagesschaustreit ist lächerlich gewesen. In den nächsten 10 Jahren werden wir noch viel größere Veränderungen erleben. Die Presse sägt am eigenen Ast. Das Fernsehen eh.
Super Haltung, Herr Maschinist. Keine Gebühren zahlen, aber hier beim Deutschlandfunk unterwegs sein.
Der Sinn der Frage, ob den die Radiosender im Netz auch Text veröffentlichen dürfen, will sich mir nicht so recht erschließen. Sie dürfen es nicht nur, sie sind verpflichtet es zu tun. Die RÖ haben ein Auftrag, um diesen zu erfühlen werden Milliarden angetrieben. Die öffentlichen müssen restrukturiert werden. Der politische Einfluss ist zu groß, zu viel Geld versickert in der Verwaltung. Für das Geld erwarte ich deutlich mehr.
Was Aggregatoren angeht, es wurde rivva angesprochen, für mich ist es die nutzloseste Internetseite überhaupt von ihrer Art. Man darf nicht verwechseln zwischen populären und wichtigen Informationen. Die Aufgabe der rechtlich-öffentlichen besteht in erster Linie nicht darin populär zu sein. Ich denke, dass die Ausbildung der Journalisten sie dazu befähigt zu erkennen welche Informationen wichtig sind. Somit hätte ich nichts dagegen, wenn die Sender mit eigenen Produktionen daher kommen. Social Media darf natürlich nicht völlig unbeachtet bleiben, jedoch den Fokus darauf auszurichten, wäre meiner Meinung nach nicht richtig.
@Igor: Aggregation als Aufgabe bedeutet ja nicht, dass nur noch populäre Informationen verbreiten werden sollen. Ich verstehe das eher als Ergänzung, bei der dokumentiert wird, welche Inhalte beim Publikum auf starke Resonanz stoßen.
Dass Journalisten dazu fähig sind, wichtige Themen bzw. Nachrichten als solche zu erkennen steht außer Frage. Dennoch werden sie als Berufsgruppe insgesamt nicht umhin kommen, künftig stärker darauf Rücksicht zu nehmen, wie sich im Netz die Resonanz auf die gesetzten Themen entwickelt. Das Publikum wirkt eben immer stärker beim Agenda-Setting mit.
Neugier in Redaktion? Leser, Hörer, Zuschauer kennenlernen wollen? Das wage ich mal zu bezweifeln. Haben sie schon mal eine typische Redaktion (FAZ, ZDF, WDR) bei der Arbeit erlebt. Da kommen Zuschauer und Hörer nicht vor. Sie werden eher als störende Faktoren empfunden.
Für heute Ihre H.N.
Ich kann bestätigen, was Frau Niemaier schreibt. Der Hörer, Leser, Zuschauer ist für eine konkrete Aufgabe vorgesehen: Er soll konsumieren, was geboten wird, es gefälligst gut finden, was die 4te Gewalt (ha ha, das war 1x) uns bietet – fertig! Schauen Sie sich mal sonntags die Runde beim ARD-Presseclub an, wenn bei “Nachgefragt” die Anrufer ins Studio geschaltet werden. Schönenborn, Herres und Hasselt sind zwar fest entschlossen, einen entspannten Eindruck zu vermitteln, d.h. die Leute lächeln zwar, aber genau so lächel ich meinen Zahnarzt an. Nur einer hats drauf: Michael Hirtz vom internat. Frühschoppen. Aber das nur nebenbei. Werfen Sie mal einen Blick in das Gästebuch des ARD-Presseclubs: Jeder 2te Kommentar enthält Kritik oder mindestens Verbesserungsvorschläge, etc. Lob können Sie da mit der Lupe suchen, warum wohl? Bzw. müsste die Frage lauten? Warum machen die einfach weiter so? Antwort: Weil es bezahlt wird, weil es ein Gehalt und eine Karriere gibt, etc.. Deshalb laden die immer wieder die üblichen etablierten regierungsnahen Journalisten und auch Lobbyisten ein (z.B. U.Guerot) und machen eine Sendung, über die montags keiner spricht. Ich könnte noch so viel mehr dazu schreiben – aber bevor ich das mache, möchte ich wissen, WARUM ??? Um im Nirvana des Internets auf dem DLF-Server ein paar Nullen und Einsen zu hinterlassen, dafür ist meine Zeit nicht gedacht.
@Hanne Niemaier und Thomas Ermentrud: Mit Ihrer Kritik an den bestehenden Verhältnissen in den Redaktionen haben Sie zweifellos recht. Dennoch sollten wir optimistisch sein: Der wirtschaftliche Druck bzw. sinkende Auflagen oder Einschaltquoten werden schon noch dafür sorgen, dass hier ein Umdenken stattfindet, auch wenn das vielleicht noch ein paar Jahre braucht.
@ Matthias Schwenk: In den letzten 15-20 Jahren haben Auflagendruck und sinkende Einschaltquoten bei den meisten Medien dazu geführt, dass man sogar noch näher an den Mainstream herangerückt ist. Siehe das öffentl. rechtl. Fernsehen, das nicht so lange gezögert hat, die seichten “Formate” der Privaten zu kopieren. Bei den Printmedien die gleiche Entwicklung: Die Auflagen sinken seit 10 Jahren, Redaktionen wurden optimiert (=verkleinert), was der journalistischen Freiheit nicht gedient hat. In beiden Fällen rennen die Medien der Meute hinterher. Was ist mit dem Bewusstsein für die Zielgruppe? Gab es ein Innehalten? Natürlich nicht! Es gab ein “weiter so, erst mal den Marktanteil sichern, dann sehen wir weiter.” Beispiel Musikbranche: Wenn einer etwas hat, das funktioniert, springen alle wie gestört auf den Zug auf und dann wird der Trend ausgequetscht wie eine Zitrone. Die Welt lässt kein Innehalten mehr zu. In so fern finde ich Ihren Optimismus sehr sympathisch, aber nur auf Optimismus begründet, wobei das in Anbetracht der Kürze Ihres Beitrags sicherlich voreilig geschlossen ist, das gebe ich zu. Der DLF-Diskurs hier ist sicherlich gut gemeint, das finde ich wirklich, aber schauen Sie sich die Seiten an: Kaum Einträge, wenig Feedback von den Redakteuren. Ein Dialog sieht anders aus. Ich wünsche mir eine lebhafte, mit Streitkultur geführte Debatte, DIE ZU ETWAS FÜHRT! Zu Irgendetwas, und nicht nur ein Projekt darstellt, wo Sie und andere Medienvertreter etwas Geld verdienen konnten. Dieser Diskurs ist ein Innehalten. Aber er ist wertlos, wenn daraus nichts folgt.
Nebenbei: Optimismus ist die neue Religion. Dazu habe gestern (!) geschrieben (Eintrag vom 26.02.2012; 02:27, Link: http://diskurs.dradio.de/mitmachen/), zu Beginn des letzten Drittels, Moment, ich kopier das hier rein, dann brauchen Sie nicht suchen, Zitat: “…Genau so wie ich beim Auftreten einer Krise immer auf die Uhr schaue und warte, wann sich der erste Schwätzer hinstellt und folgenden Satz sagt: „Diese Krise birgt auch Chancen!“ Bis die Mehrheit gemerkt hat, dass da ne Luftpumpe ins Mikro tutet, ist wieder was Neues im Gespräch. War z.B. die Bankenkrise eine Chance? Na ja, für…” Zitat Ende. Und als Deutschland Anf. `45 in Schutt und Asche lag, da hat die “Elite” den Leuten erzählt, dass alles neu aufgebaut und jeder sein eigenes Bad haben wird. Die Rechnung ging sogar auf, allerdings mit 20 Jahren Verspätung. Ich nehme dieses Beispiel, weil es zeigt, dass es meistens besser ist, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Wäre das geschehen, dann wäre geschätzt Anfang ’43 die Kapitulation erfolgt, was Millionen Menschenleben gerettet hätte. Aber nein, fast alle glauben Mitte ’43 an Wunderwaffen und Endsieg. Was für ein Blödsinn, nicht wahr? Zweifler (/Realisten) wurden zum Schweigen gebracht. Zurück zum hier und jetzt:
Heutzutage darf man eigentlich nicht mehr auf Missstände hinweisen, man macht sich damit meist lächerlich. Auf ein Problem hinzuweisen ist nur noch dann gesellschaftskompatibel, wenn man gleichzeitig ergänzt, dass man aber auch “Licht am Ende des Tunnels” sehe. In so fern sind Sie gesellschaftskompatibel und ich nicht. Z.B. Kritik an Europagedanken oder an EU-Rettungspaket xyz darf man auch nur äußern, wenn man an Anfang und Ende seines Statements betont, dass man echter Europäer sei. Wer das vergisst, wird von Pseudo-Gutmenschen als Populist denunziert, etc. (s. and. Text von mir v. 25.02.12 16:29 Uhr mittl. Block, der gl. Link wie ob.). In unserem konkreten Medien-Thema sehe ich eher, dass uns im Tunnel eine andere Lok entgegen kommt. Jetzt ist es spätestens an der Zeit, mich als Pessimisten zu bezeichnen (oder insgeheim als Zyniker zu sehen, der ich nicht bin), dazu sage ich schon jetzt: Ich bin der Realist! Auf Anfrage nenne ich gern Beispiele aus den Top-10 der Optimisten. Vorab: Thomas Middelhoff; Jan Ulrich; Klaus Zumwinkel, Erich Honecker …
@Thomas Ermentrud: Ja, das sehe ich auch, wie sie sich hartnäckig popularisieren und alles vermischen. Allerdings fangen die Privatsender ebenso entschlossen an, ganz seriöse Formate zu bringen. Sicher wollen sie auch etwas von der künftigen Haushaltsabgabe abhaben. Die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter, die dann alle Entwicklungen akzeptieren, scheinen ebenfalls wie strukturell umgebaut zu werden, denn das findet ja flächendeckend und nicht nur in Europa statt. Nur das Motiv ist mir unklar bisher, vielleicht wollen sie wirklich nur schnell viel verdienen und später ist egal. Ich glaube, man darf einfach nicht zu viel an zu rascher Einsicht erwarten, die Menschheit ist halt so programmiert, dass es Jahre dauert, um von einer Ideologie wieder runterzuschwenken. Wie negativ sich das inzwischen mit oft tragischen Weichenstellungen und Kollateralschäden unter den sehr jungen Menschen auswirkt, die sich da an vielem orientieren, das lässt mich allerdings auch fassungslos zurück. Wie kann man das in Kauf nehmen.
Und der Presseclub ist wirklich sehr absehbar… auf der anderen Seite ist das ein Teil ihres täglichen Brotes und sie sind da fast zu bedauern. Aber Grund zum Lob gibt es schon doch. Die regionalen Fernseh- und Radiosender werden selbst von den Jüngeren noch viel gehört und gesehen oder sind auf ihrem Radar, wenn irgendwas passiert, schreiben selbst Kinder oder Teenies Kommentare auf den Onlineseiten. Und dort melden sich auch bei komplexeren Problemen häufig Sachverständige und Experten zu Wort, die vielleicht dazu beitragen, dass es bei einem Thema vorankommt, Gesetze überarbeitet werden, das Bundeskabinett doch noch mal an einen Entwurf herangeht, bevor er verabschiedet wird… Jedenfalls kann man das annehmen.
Wichtig finde ich das wegen der demokratischen Mitwirkungsoption und sei es der gefühlten, was zumindest eine auch nicht überall selbstverständliche Höflichkeitbezeugung wäre. Und weshalb sollte über plausible Argumente nicht wenigstens nachgedacht werden und sei es um sie selber zu benutzen? Da kann was hängenbleiben… Und außerdem können die Sender so die Bürger an sich und an das vertraute Medium binden, eh sie nur in seltsamen Internetforen versinken. Bei mir im Norden reagieren die Redaktionen auch schnell und sind hilfsbereit, wenn man einmal telefonisch eine Frage zu ihren Onlineseiten hat. Da lässt sich sicher vieles auch ausweiten in dem hier beschriebenen Sinne.
Hallo Frau Dittmann,
vielen Dank. Meine Antwort ist auf der Nachbarseite, die Sie erreichen, wenn Sie obe rechts auf das gelbe “Hier schreiben Sie” klicken. Dann bis zur Mitte runter, Antwort von 01.03.12 01:17 Uhr. Der letzte Textblock.
Schönen Abend
Oder per Link: http://diskurs.dradio.de/mitmachen/#comment-196
Hallo Herr Schwenk,
Danke für Ihren Kommentar (v. 27.02.12 um 17:58Uhr). Meine Antwort dazu finden Sie
auf der Nachbarseite, die Sie erreichen, wenn Sie obe rechts auf das gelbe “Hier schreiben Sie” klicken. Dann bis zur Mitte runter, Antwort von 01.03.12 01:17 Uhr.
Schönen Abend
Oder per Link: http://diskurs.dradio.de/mitmachen/#comment-196
Schönen Abend
Thomas Ermentrud
Ein 3tes Feedback zu Herrn Schwenk (v. 27.02.12 um 17:58 Uhr):
Mein og. Kommentar (v. 27.02.12 um 23:11 Uhr) war ein Plädoyer, dass sich allgemein gegen öden, fanatischen, emotionalen Optimismus richtet!
Ich weiß, die Optimisten glauben sie seien unangreifbar, da sie sich mit Ihrem „Ich sehe aber schon Licht am Ende des Tunnels”, öfters an die Spitze stellen dürfen, wie Middelhoff zum Beispiel. Dieser Glaube ist witzig und naiv.
Altkanzler Helmuth Kohl vorgestern in BILD zur Krise der EU-Schulden-Union: “Wir haben allen Grund zu Optimismus, dass wir, dass unser Europa auch aus der gegenwärtigen Krise gestärkt hervorgeht – wenn wir es nur wollen.” Dann weiter: „. “Wir müssen die Krise als Chance nutzen. Wir brauchen – gerade jetzt – mehr und nicht weniger Europa!” Zitat Ende.
Super – genau die Standard-Totschlag-Berieselung, die nichts bringt. Bleiben wir beim EU-Thema – ich komme dann noch auf die Rolle der Medien:
Die Folgen der Überschuldung werden bekämpft mit …. (na? – genau: ) noch mehr Schulden.
Die Folgen des zu billigen Geldes werden bekämpft mit …. (… richtig !) , mit noch billigerem Geld für die Finanzindustrie.
Die Folgen unseriöser Finanzaktivitäten werden bekämpft, … (na?)… indem man der Finanzindustrie schon im Vorfeld ankündigt, die Risiken zu übernehmen und bei verheizter Liquidität neues Geld günstigst bereitzustellen.
Und für die Probleme eines schlecht geplanten Europas lautet die Lösung: Mehr Europa!
Das ist die NEUE LOGIK! Das ist genial ! Wenn es denn klappen würde!
Da es nicht klappt, ist es einfach nur Schwachsinn. Diese Wertung ist beweisbar:
Ich (mache mich jetzt mal wieder lächerlich und) weise darauf hin, dass diese „NEUE LOGIK“ kein einziges Problem gelöst hat:
Die Banken müssen immer noch gestützt werden, vier Jahre nach Lehmann.
Beim Thema „Verschuldung europäischer Länder“ hat sich nichts (!) verbessert oder entspannt – im Gegenteil! Details auf Anfrage.
Die Märkte haben sich darauf eingestellt, dass mit der Schwäche der Länder und der Angst der pubertär agierenden Politiker Geld zu verdienen ist. Details auf Anfrage, aber eigentlich müsste jeder wissen, was gemeint ist (gegen Länder wetten, In Ausfall-Versicherungen investieren, etc.).
Ich möchte jetzt und hier nicht mehr schreiben, über eine politische Klasse, die größtenteils nur noch Fehler macht und Pfründe sichert. Mir geht es um die Medien, die nur teilweise ihrer Aufgabe nachkommen. Medien, die sich auf die Seite der Macht geschlagen haben und die Wahrheit verbiegen oder verheimlichen, so wie es die Medien in der DDR gemacht haben, wobei die Lüge hier gefährlicher ist, weil besser getarnt. In der DDR wussten alle, dass die Nachrichten im Ost-Fernsehen Propaganda transportieren, Hier wird es kaum thematisiert! D.h., bzgl. DDR kann man sagen: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt! Für hier und jetzt gilt das nicht. Es wird geleugnet. Dabei gehören die Leute, die nicht den Journalismus hochhalten, sondern in Amigo-Kulturen stützen, an den Pranger. Viel Spaß noch bei der Karriere. Die Medien als Steigbügelhalter der Politik. Man hält sich gegenseitig Räuberleiter.
Ich weiß: Aus den Reihen der abhängig beschäftigten Redakteure bekomme ich gleich zu hören, dass ich das zu eng sehe, wir haben immer noch eine freie Presse, … etc.. Das stimmt auch in Teilen, DLF und D-Radio-Kultur und versch. andere Medien sind auch mal mutig und unbequem. Aber das tröstet nur bedingt, wenn man sieht, wie ungemein erfolgreich die Lüge etabliert werden kann: Wenn’s in der Zeitung steht … Die Medien haben also ein Macht – jetzt müssen sie auch ihre Verantwortung erkennen und danach leben.
Ich liefer gerne weitere Beispiele. Wenn Sie mir diese trösdende Antwort bringen wollen, sage ich schon heute: Hören Sie auf sich was vorzumachen! Wollen Sie wirklich versuchen, da gegen zu argumentieren? Dann mal los.
STOPP DES PSEUDO-DISKURS!
Herr Schwenk,
Sie schreiben, Zitat:” Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat im Grunde eine ausgesprochen interessante Zukunft vor sich, er muss nur seine Chancen erkennen und sie auch nutzen.”
Sie haben Ihre Chancen hier im Dialog nicht genutzt!
Dieses Projekt interessiert Sie nicht. Zwei uninspirierte, kurze Antworten – da hätte man viel mehr machen können, wenn man denn mag.
Bevor Sie mir mit nem 5Zeiler darauf antworten, dass ich das falsch sehe, sollten Sie vielleicht ernsthaft in Erwägung ziehen, erst, bzw. endlich einmal konkret Stellung zu den angesprochenen Themen zu beziehen.
An Ihren Taten sollt ihr sie erkennen. Damit bin ich immer gut gefahren. Wenn Sie damit nicht zurecht kommen, dass man Ihren fehlenden Einsatz hier formuliert, wäre es das Beste für alle Beteiligten, wenn diese Seite ins Archiv verlagert wird. Dann bieten Sie keine Kerben mehr und Leute wie ich laufen nicht Gefahr, noch mehr Zeit zu verschwenden.
Es war naiv von mir zu glauben, dass man das hier ernst meint!
MfG
Thomas Ermentrud
Hallo Ermentrud, wir danken für Ihr Engagement. Die Debatten auf diesem Portal sind sehr lebhaft und werden von allen Beteiligten nachhaltig geführt. Die letzten Tage haben das belegt. Zwei Antworten in einem Thread von gut 10 Kommentaren belegen ein starkes Interesse und die adäquate Form der Mitwirkung. Ihre massiven Kritik ist aus unserer Sicht nicht angemessen.
Beste Grüße, Markus Heidmeier, Redaktion
Lieber Herr Ermentrud,
ich bin jetzt hier seit dem 1.3., an dem ich Ihre Antwort las, das erste Mal wieder auf dieser Seite. Bitte, schließen Sie nicht gleich auf Desinteresse bei einer geringen Rückmeldung. Bei mir ist es so, dass ich auch noch auf anderen Seiten kontinuierlich an Themen schreibe und viel lese und dann einfach zeitlich nicht zu mehr komme; das wird anderen Autoren auch so gehen. Gerade wenn einen ein Thema innerlich sehr beschäftigt, braucht man auch Zeit, um darüber nachzusinnen. Und das Formulieren dauert immer länger, als ich dachte oder hoffte…
Bitte schreiben Sie weiter hier, ich habe mir Ihren Namen schon gemerkt, es ist stets sehr interessant und zudem witzig formuliert und rasant auf den Punkt gebracht.
Ein bischen wünschte ich, sie würden weniger häufig neue Themen reinsetzen, aber alles gehört natürlich dazu und muß deshalb. Eine Balance, zu entscheiden, wo man sich näher einläßt… Die Beunruhigung, die einen erfasst, wenn man manches sieht, treibt einen allerdings voran. Diese andere Lok da sehe ich schon, aber auch, dass manchmal, nicht immer, plötzlich Weichen gestellt werden und es völlig unvermutet auf einem Nebengleis im Paralleltunnel weitergeht. Von dem man nichts gewußt hat bisher. Hier bei den Medienthemen könnte das bedeuten: insgesamt mehr Abkopplung einiger Bereiche, mehr Abstinenz in einigen, inzwischen Entwicklung von mehr struktureller – nicht nur technischer – Sicherheit und dann eine überlegtere Nutzung all ihrer Vorzüge. Eine Phase der Besinnung, auch darüber, wie mit den personalisierten Zuleitungen, also nicht denen, die der Nutzer selber aktiv bestellt, sondern die, die unbemerkt von ihm geschehen, umgegangen werden kann. Und will und wie man das verhindern möchte wenn…
Hallo Frau Dittmann,
danke für den netten, aufmunternd gemeinten Kommentar. Sind Sie hier als Redakteurin aktiv oder einfach am Thema interessiert wie ich?
Mehr schreiben kann / möchte ich aktuell nicht. Die herrlich arrogante 5zeilige Antwort von Herrn Heidmeier hat mir (wie erwartet) bestätigt, dass die Medien”profis” selbst hier, wo es nicht sein sollte, weit weg von der Bevölkerung sind. Da behauptet er einfach mal so das Gegenteil, obwohl jeder nach 15 Minuten Lektüre der Kommentare (+ Datumsangaben) sehen kann, dass hier nichts abgeht, dass Leute wie ich in diesem Diskurs nicht ernst genommen werden. Aber ok., vielleicht kann der gute Mann auch übers Wasser gehen? Egal. Ich kann auf dieser Basis hier nicht weitermachen. Meine Zeit ist etwas knapp (ich muss meinem Beruf nachgehen = Geld verdienen, ganz einfach). Die “andere Seite”, ich meine die Redakteure, können das hier gelassen sehen: Egal was aus dem Diskurs wird, es wird/wurde wenigstens bezahlt! Warum sollte ich hier meine Zeit investieren? Diese Frage hatte ich schon gestellt. Sie können mich anrufen, wenn Sie wollen. Die Nr. finden Sie auf ermentrud de. Sie finden mich auch auf Facebook. Im gewissen Rahmen gehört diese Konversation zwar auch zu den Themen des Diskurs, aber ich wollte hier nicht mich präsentieren, sondern die Dinge, um die es mir geht. Hab ich auch mal hier geschrieben: .. weil ich nicht anders kann.” Außerdem möchte ich hier keinen Austausch mit teilweise privatem Charakter online stellen, dafür gibt’s FB.
MfG
Thomas Ermentrud
PS.: Ok., das “nichts abgeht” stimmt nicht, da unterschlage ich die Beiträge der Diskutanten + meine eigenen. Von redaktioneller Seite kam nur wenig (Minimalprinzip), obwohl gerade diese Seite es könnte, da deren Zeit bezahlt wird. Oder ist das Ehrenamt hier? Selbst wenn: Man hat eine Verantwortung, wenn man Leute zum Mitmachen auffordert.