Nichts gelernt. Die NRW-Wahl im Netz
Die Bedeutung der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen wird immer wieder betont. Aber gerade mit Blick auf die Relevanz der Wahl überrascht die Harmlosigkeit des Onlinewahlkampfs der Parteien und ihrer Spitzenkandidaten doch enorm.
Obwohl spätestens seit der Wahl Barack Obamas in den USA vor mittlerweile vier Jahren offensichtlich wurde, dass im Netz oft Potenziale liegen, die letztlich den Unterschied machen. (Eine Zusammenfassung der wichtigsten Wahlkampfreportagen, Kommentare und Hintergründe im Deutschlandfunk finden Sie übrigens hier. Den Livestream zur Wahlsondersendung finden Sie hier.). Im Hyperland-Blog des ZDF legt Thomas Knüwer die Zahnlosigkeit der digitalen Strategien der Partei anschaulich dar. Der große Verlierer auch hier: die CDU. Knüwers Urteil: Unemotionaler kann ein Wahlkampf nicht sein.
Mit DerWesten.de nimmt das Onlineangebot der stärksten Regionalzeitungen der WAZ-Gruppe die Onlineaktivitäten der Spitzenkandidaten unter die Lupe. Die Einschätzung überrascht nicht: Auch DerWesten.de zeigt sich von den Aktivitäten enttäuscht.
Im Politikblog auf ZEIT Online referiert Lenz Jacobsen über die Twitterkompetenzen der beiden großen Parteien. Das eindeutige Urteil ist bereits in der Überschrift eindeutig: Öder Twitter-Wahlkampf in NRW.
Auch netzpolitisch tat sich im NRW-Wahlkampf überraschend wenig. Die Wikimedia Deutschland, Trägerverein der Wikipedia hatte die Programme der Parteien im Vorfeld geprüft. Die Erkenntnis: Alle Parteien haben die Netzpolitik als Thema erkannt, wenn auch mit ganz unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Aber da sich das Auftrumpfen der Piraten ja bereits vor der Wahl abzeichnete, scheinen sich die Parteien vor allem mit dem neuen Konkurrenten aber nicht mit dessen Themen beschäftigt zu haben. Denn überraschenderweise führte das Aufkommen der Piraten nicht dazu, dass netzpolitische Themen wie Urheberrecht und Bildung oder Datenschutz und Vorratsdatenspeicherung im Wahlkapmf echte Virulenz entfalteten.
Die bemerkenswertesten Reaktionen auf das Ergebnis stellen wir übrigens gegen 19.30 Uhr in der Wahlsondersendungen live im Radio vor. Die Links folgen dann später hier.















Der Vergleich mit den USA ist mehr als überflüssig. Wenn das Netz wahlentscheidend wäre, würde sich die Piraten wohl kaum auf die Marktplätze stellen. Die Leute, die das kritisieren leben zum einen fast nur im Internet oder verdienen wie Knüwer ihr Geld damit, für andere Leute Online-Strategien zu entwickeln. Tiwtter spielt im übrigen in Deutschland eine verschwindend geringe Rolle.
Es geht ja nicht um die volkständige Verlagerung ins Internet. Mobilisierung kann jedoch sehr präzise durch das Internet geleistet werden. Ergänzung ist das bedeutende. Die Kosten sind dabei deutlich geringer und gibt eigentlich mittel frei für Experimente .
Auch wenn das Medium Internet schnelllebig ist, braucht man dennoch auch dort einige Zeit, um sich einen Bekanntheitsgrad aufzubauen.Kurz vor dem Wahlkampf dort erst mit den Aktivitäten zu beginnen, wie das einige Parteien gemacht haben, klappt nicht.Man muss schon lange vorher mit einem gewissen Aufwand damit beginnen, um einen kleinen Erfolg bei einer Wahl zu haben.
Ich bin auch der Meinung, dass “Ergänzung” hier das Stichwort ist. Man kann im Netz vielleicht auch Menschen erreichen, die man auf dem Marktplatz nichtunbedingt antrifft. Außerdem fördert man dadurch die Bekanntheit der Parteien auch bei Jugendlichen, die man so eventuell frühzeitig als spätere Wähler gewinnt, denn das Internet spielt bei der jüngeren Generation eine wesentliche Rolle. Ich bin der Meinung, dass die Parteien grade auch im Hinblick auf vorausschauende, zukunftsorientierte Politik, das Netz nicht unterschätzen sollten und mal in die Gänge kommen müssen.