Der totale Kontrollverlust
Was einmal im digitalen Raum kursiert, kann eines Tages gegen uns eingesetzt werden. Der Kontrollverlust ist mittlerweile eine omnipräsente Alltagserfahrung, eine Signatur des digitalen Zeitalters. Aus Unbekannten werden ungewollte Medienstars, aus scheinbaren Nichtigkeiten Skandale.
Die Entstehung von Skandalen ist unkontrollierbar. Zuletzt kann der Kontrollversuch den totalen Kontrollverlust bedeuten. Um diesen Aspekt des digitalen Zeitalters zu überwinden muss der Mensch hinter der Maschine wiederentdeckt werden. Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen über das gemeinsam mit Hanne Detel verfasste Buch “Der entfesselte Skandal“.
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Weiterführende Beiträge auf Deutschlandfunk:
Skandal im Netzbezirk: Bernhard Pörksen und Hanne Detel: “Der entfesselte Skandal”. Herbert von Halem Verlag (zum Bericht)
Mediale Vorverurteilung auf dem Vormarsch: Prominente Angeklagte und mutmaßliche Opfer am öffentlichen Pranger (zum Bericht)















Es ist eine Art Facebook-Reflex zu beobachten. Sobald die Begriffspaarung „Facebook“, das als
Metapher für die intime Person steht, und „Daten“ als Allegorie
für das Gefühl des Ertappt-Seins sowie der Nacktheit vor einem
scheinbar allmächtigen Voyeur fällt, entlädt sich eine Lawine der Empörung. Das liegt daran, dass insbesondere dem deutschen Gemüt die Privatsspähre traditionell sehr wichtig ist. Die sozialen Netzwerke fungieren in der Wahrnehmung als Verlängerung des persönlcihen Kontaktes, wie dem Stammtisch. Wie im realen Leben möchte man dabei sehen, wer am Gespräch teilnimmt bzw. es belauscht. Das Sammeln von Daten wird folglich zur
geheimen Spionage erhoben, vergleichbar mit dem Blick durchs
Schlüsselloch. So werden die virtuellen Plattformen, wie etwa
Facebook, zu einem großen Raum, dessen Wände ein einziges
Schlüsselloch sind. Es ergibt sich dann die reflexartige Angstbewegung
bei den zuvor genannten Begriffen „Facebook“ und „Daten“. Man sieht sich in der Gefahr, gegenüber
anderen aufgrund seiner Persönlichkeit benachteiligt zu werden. Es
zeichnet sich daher das durchaus sehr zwiespältige Bild des Menschen, der privat sein
Profil ausfeilen und ansonsten in einer vollkommenen Gleichbehandlung
aufgehen möchte.
Nichts in der Geschichte der Deutschen deutet darauf hin, dass die Privatsphäre “traditionell” besonders wichtig sei. Im Gegensatz zum angelsächsischen Raum ist der Schutz der Privatsphäre sogar historisch sehr viel später anzutreffen. Eine “Lawine der Empörung” aus einem vermeintlich starkem historischem Schutzbedürfnis der Privatsphäre abzuleiten ist daher per se schon problematisch. Betrachtet man die Nutzerzahlen von Facebook so liegt Deutschland mit etwa 30% relativ weit hinten. Hier läßt sich die Frage stellen, wieso Deutschland sich anders verhält als vergleichbare westeuropäische Staaten (z.B. Frankreich 39%, Schweiz 38%, Niderlande 39%).Die öffentliche Diskussion über Facebook entzündet sich tatsächlich am Sammeln von Daten. Das ist jedoch meienr Ansicht nach eine Reaktion auf die neuen Möglichkeiten, die sich aus der Technologie ergeben und die zu Überraschungseffekten führen. Deutschlandspezifisch ist das nicht. Die heftigen Diskussionen über Google, Microsoft und FAcebook in vielen Ländern zeigen das Gegenteil. Womit wir es meiner Ansicht nach zu tun haben ist ein Verständnisprozess der wletweit relativ langsam abläuft. Das Internet erzeugt eine andere Art von Öffentlichkeit, als wir sie bisher hatten. Es hat andere Spielregeln und andere Möglichkeiten. Wie bei jeder neuen Technologie gibt es hier einen Prozess des Erwerbs, der Überraschung, der Verarbeitung, der Adaption und der wechselhafgten Anpassung von Technologie und sozialem Verhalten.
Durchaus würde ich im deutschen Raum von einem tradierten Bewusstsein von Privatem sprechen. Letztendlich würde ich hier vor allen den Ansatzpunkt in der Epoche des Vormärz sprechen. Einerseits wurde von der politischen Führung versucht revolutionäre Bestrebungen aufzubrechen. Das Bürgertum flüchtete sich ins Private. Andererseits versuchten diverse Gruppen, wie Burschenschaften, die Repressalien aufzubrechen. Ein Resultat war zum Beispiel die Aufnahme der Unverletzlichkeit der Wohnung, des Briefgeheimnisses und ähnliche Rechte in der Preußischen Verfassung Mitte des 19. Jhd. Zusätzlich kommen die Erfahrungen mit dem Denunziantentum im Dritten Reich und der DDR dazu, die gerade den privaten Raum in Gefahr brachten. Daraus leite ich eine hohe Skepsis gegenüber der “Spionage” gegenüber der privaten Informationen.Den Überraschungsmomentanzuführen halte ich für schwierig. Welche Möglichkeiten die Präsenz eigener Informationen mit sich bringen, wird nun schon länger diskutiert. Oft wurde der potentielle Arbeitgeber angeführt, der sich Daten aus den netzwerken besorgen kann. Das führt zu dem Schluss, dass das Gros der Bevölkerung in einer ignoranten Mentalität verharrte oder diesen logischen Prozess kognitiv nicht erkennen konnte.
Zunächst denke ich, dass man in der Frage des Schutzes des privaten Bereichs nicht umhin kommt festzustellen dass das “English Law” dieses Recht sehr viel früher kennt (siehe Edward Coke 1604) als das deutsche Recht. Eine genauere rechtshistorische Analyse würde hier zu weit gehen.Dann denke ich doch, dass man unterscheiden muss zwischen einem selbstgewählten Rückzug in die Privatsphäre als Ausdruck des Desinteresses am Öffentlichem und dem Kampf gegen den Eingriff in die Privatsphäre. Hier würde ich das Biedermeier eher nicht als Wegbereiter staatsbürgerlicher Rechtskämpfe ansehen sondern ehere als bewussten Verzicht auf diese Kämpfe.Zuletzt ist das 20te Jahrhundert in Deutschland sicher geprägt von den zwei Diktaturen die eben diesen Schutz der Privatsphäre durchbrochen haben. Das erklärt manche Diskussionsbeiträge und Diskussionsverläufe in der öffentlichen Debatte.Dennoch denke ich dass die Sensibilität der Deutschen für den Schutz der Privatsphäre z.B erheblich hinter dem der Amerikaner hinterherhinkt, die selbst nach dem 11. September vehement Meldegesetze und Ausweispflichten kategorisch abgelehnt haben mit dem Hinweis auf den Schutz der Privatsphäre. Diese beiden rechtlichen Regelungen, die Einfluss auf unsere Privatsphäre haben sind in Deutschland dagegen unumstritten.Für mich stellt sich eher die Frage ob die Deutschen versuchen im Virtuellen zu kompensieren was im Realen als bedrückend wirkt.
Mein Ansinnen galt nicht dem bürgerlichen Freiheitsbegriff im Ganzen, sondern im Speziellem und zwar im deutschem Raum. Hierbei halte ich die Privatsphäre im deutschen Gemüt als verankerten Schutzraum.Ich möchte aber auch den Vergleich mit dem US-Amerikanern aufgreifen. Zentrales Element dort ist die Skepsis gegenüber dem Staat als abstraktes Wesen, dass dem Bürger tendenziell negativ gegenübersteht. Daher steht man staatlich initiierten Sicherheitsprogrammen ablehnend entgegen. Facebook wiederum gibt man seine Privatsspähre bereitwillig preis. Ich meine in der WiWo wurde in einem Kommentar dargestellt, dass der Amerikaner über dem Deutschen verwundert ist, dass dieser sich in der Sauna die Blöße gibt und mit seinen Daten pingelich umgeht. Damit wird die Motivation, weshalb die Daten gesammelt und ausgewertet werden, zum entscheidenden Faktor.
Es stimmt wohl, dass Menschen im persönlichen Kontakt bzw. Stammtisch geneigt sind mehr von sich (auch Öffentlich) Preis zu geben, als sie es zum Beispiel bei einer Behörde tun würden. Der Vergleich Stammtisch und Facebook hinkt jedoch in der Erfassbarkeit der persönlichen Informationen. Während am Stammtisch keiner irgendwas mitschreibt oder protokolliert, weil er den Daumen am Henkel vom Bierkrug hat und dort die “persönlichen Daten” vom Hören sagen weitergegben werden, jedoch nur in einem kleinem Kreis, werden im Gegenzug bei Facebook und ähnlichen Unternehmen die persönlichen Daten exakt erfasst, ausgewertet, abgeglichen und dann ihrem Nutzen entsprechend weitergegeben. Das “Stammtisch-Gequatsche” ist vergessen, bevor der Alkohol restlos abgebaut ist.
Irgendwann sind alle “Facebook-Festplatten” voll mit Daten und dann sind sie schon fast genauso unbedeutend wie “Google-Suchergebnisse”. Wer nicht weiß, was er sucht, der findet nix. Wer weiß wonach er sucht, der findet genau das was er sucht, oder er findet es nicht. Wahrheit und Relevanz sind von so vielen Faktoren abhängig, dass ein “einfach gestrickter Google-Suchautomat” irgendwann keine bedeutenden Ergebnisse mehr liefern kann. Informationen sind nur in einem gewissen Kontext von Bedeutung. Wenn man alles zu Wissen glaubt – ist nichts mehr wichtig.
Im Grunde ist Datenschutz und Facebook nur eine “Alibi-Debatte”, während die SCHUFA als Privatunternehmen Millionen Menschen unter “Generalverdacht” stellt und damit der größte “Denunziantenverein” der Nation ist, geilen sich unfähig-nutzlose Politiker, die kein Rückrat haben mal per Gesetz dieser Scharlatanerie der SCHUFA einen Riegel vorzuschieben an Facebook auf um von ihrem mangelndem Verständnis über den Gesselschaftlichen Schaden den die SCHUFA anrichtet hinwegzutäuschen.
FB war mal so “unprivat” daß man jeweils die 10 Freunde sehen konnte. Habe mich dann öfter gewundert, was für Beziehungen in unserer Kleinstadt existieren. Inzwischen hat sich das geändert. Völlig aus der Diskussion verschwunden sind die Dataminer (wo scheinbar die SCHUFA mit einsteigen wollte), denn das läuft ja im Hintergrund, der User merkt wenig davon.
Was mir im Kontext der Diskussion zum Thema Datenschutz und Privatsphäre im Internet-Zeitalter für erwähnungswert erscheint, ist die Tatsache, dass in der Hilfe wie in der Beschreibung zum dradio-Recorder http://www.dradio.de/recorder/999551/ mit keinem Wort die Themen Datenschutz und Privatsphäre erwähnt sind. Dabei ist dieses Programm, dass aus meiner Sicht nicht mehr und nicht weniger als eine Art Audiobrowser ist, in der Lage solche persönlichste Daten, welche Sendungen und wann abgerufen wurden, exakt erfassen und an Interessente abliefern ;-|.