18.06.2012 | Macht & Politik

Digitaler Bürgerkrieg oder virtueller Weltkrieg?

Weltkrieg im Netz oder digitaler Bürgerkrieg? Natohacker gegen chinesische Cyberkrieger oder namenlose Datenknacker gegen Staaten und Konzerne? Der Berliner Politologe Herfried Münkler über neue Qualitäten in asymmetrischen Konflikten.

Im 18. und 19. Jahrhundert hatte der Krieg einen klaren Ablauf. Auf dem Schlachtfeld treffen die kriegsführenden Parteien aufeinander – und schlagen sich die Köpfe ein. Wahlweise mit Lanzen, Säbeln, Dolchen oder mit leichten Handfeuerwaffen. Im 20. Jahrhundert kommen der Stellungskrieg und der Vernichtungskrieg hinzu. Unterstützt von Panzern, Unterseebooten und Flugzeugen. Die Technik potenziert das Maß der Zerstörung ins Ungeheuerliche. Der sogenannte Overkill war in Zeiten der atomaren Aufrüstung eine gängige Größe, um sich die Dimension des Schreckens zu vergegenwärtigen. Im 21. Jahrhundert taucht plötzlich die Chiffre des Cyberwars  auf. Und mit ihr neue Kriegstaktiken. Unbemannte Drohnen werfen Präzisionsbomben ab und Inkognitokrieger erfinden in IT-Laboren verheerende Viren und Würmer, die Schleusen, Verkehrssysteme oder Energieversorgungen des Feindes lahm legen sollen. Ist die Nutzung des Begriffs “Krieg” dabei angemessen oder eher eine Kennzeichnung staatlicher und nichtstaatlicher Konfrontationen, die nur der Logik der publizistischen Aufmerksamkeitsindustrie geschuldet ist. Und brauchen wir ein neues Kriegsrecht für das digitale Zeitalter?

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