“Intelligente Maschinen gibt es nicht!”

Seit 62 Jahren gibt es den Turing-Test. Seit 62 Jahren versuchen Programmierer, eine Maschine zu entwickeln, die einem Menschen vormacht, dass sie ebenfalls ein Mensch sei. Seit 62 Jahren scheitern sie daran. Hans Uszkoreit, Wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, spricht über scheinschlaue Computer und erklärt, warum wir uns vorerst keine Sorgen machen müssen, bald von Maschinen regiert zu werden.

Obwohl Schachweltmeister längst keine Chance mehr gegen Schachcomputer haben, obwohl Watson die US-Rateshow Jeopardy gewonnen hat, sagt Hans Uszkoreit: Keine Maschine auf der ganze Welt kann es auch nur ansatzweise mit menschlicher Intelligenz aufnehmen. Computer können unvorstellbar viele Rechenoperationen in Sekundenbruchteilen durchführen, sie können auf das gesamte in Datenbanken gespeicherte Wissen der Menschheit zugreifen, aber sie können nicht denken.

Der Computerlinguist Uszkoreit sieht zwei unterschiedliche Ansätze in seiner Forschungsdisziplin: Während die einen versuchen würden, den Maschinen selbst Intelligenz einzuflößen, beschränke sich die andere Seite darauf, mit Hilfe von Computern und Algorithmen die individuelle und soziale Intelligenz zu erweitern. Uszkoreit hält diesen zweiten Ansatz für deutlich vielversprechender und glaubt, dass die Gesellschaft von den Fähigkeiten der Maschinen profitieren können.

Im Interview warnt er aber gleichzeitig davor, den Maschinen zuviel Verantwortung zu überlassen. So bezeichnet er es etwa als unverantwortlich, Pflegeroboter für die Betreuung alter Menschen einzusetzen. Auch über Fragen der globalen Sicherheit sollten niemals Maschinen oder Algorithmen entscheiden, so Uszkoreit.

Ein Gutes hat die Beschränktheit der Technik auf jeden Fall: Die Horrorvisionen mancher Science-Fiction-Autoren von der Machtübernahme durch Maschinen werden wohl noch eine ganze Weile Zukunftsmusik bleiben.

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